Konzerte: Berliner Philharmoniker mit Pianistin Wang Yujia

12.11.2017 - 16.11.2017
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Dirigent: Sir Simon Rattle

Als Claudio Abbado 1998 seinen Rückzug vom Amt des Chefdirigenten bekanntgab, stellte er die Berliner Philharmoniker vor eine große Herausforderung. Galt es doch, eine Persönlichkeit zu finden, die das Orchester auf das 21. Jahrhundert einstimmt. Mit Sir Simon Rattle, damals Künstlerischer Leiter des City of Birmingham Symphony Orchestra, holten die Musiker sich einen Chef, der mit dem Ziel antrat, die Philharmoniker zu einem »durch und durch europäischen Orchester zu formen«. Wie sein Vorgänger war auch der Brite den Philharmonikern bereits durch eine langjährige, inspirierende Zusammenarbeit verbunden. Seit seinem philharmonischen Debüt 1987 mit Mahlers Sechster Symphonie hatte Simon Rattle 58 Mal am Pult des Orchesters gestanden. Er favorisiert einen noch transparenteren Orchesterklang, konfrontiert die Musiker mit Dirigenten, die als Spezialisten der historischen Aufführungspraxis gelten, und rückt die Werke der Wiener Klassik sowie zeitgenössischer Komponisten – u. a. Hans Werner Henze, Thomas Adès, Jörg Widmann, Sofia Gubaidulina und Heiner Goebbels – stärker in den Fokus. Große Beachtung fanden seine zyklischen Interpretationen der Symphonien von Brahms, Sibelius und Mahler, aber auch eine von Peter Sellars inszenierte Aufführung von Bachs Matthäus-Passion – für Rattle »das Wichtigste, was wir hier je gemacht haben«. In seiner Amtszeit setzt sich die Verjüngung des Orchesters fort.

Klavier: Yujia Wang

Heute zählt die gebürtige Chinesin zu den pianistischen Weltstars, aber das Einspringen ist immer noch ihr Metier: Nachdem Lang Lang die für den November 2017 geplanten Konzerte mit den Berliner Philharmonikern absagen musste, erklärte sich Yuja Wang bereit, seine Auftritte in Guangzhou, Wuhan, Shanghai und Tokio zu übernehmen, wo sie den Solopart von Béla Bartóks Zweitem Klavierkonzert spielt. Ihre Mutter wollte eigentlich aus Yuja Wang eine Tänzerin machen. Doch die aus Peking stammende Künstlerin wusste, an ihr kann nur eines tanzen: ihre Finger. Diese lässt die chinesische Pianistin, die am Musikkonservatorium ihrer Heimatstadt, am Mount Royal College in Calgary und am Curtis Institute of Music in Philadelphia studierte, in atemberaubender Schnelligkeit über die Klaviertasten eilen. Dass sie neben einer stupenden Technik auch ein außerordentliches Gespür für Klangnuancen hat, bewies Yuja Wang bereits in Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker: bei ihrem Debüt-Recital 2013 sowie ihrem Orchesterdebüt 2015, bei dem sie Sergej Prokofjews Zweites Klavierkonzert interpretierte. Wild, ungestüm aber gleichzeitig sehr souverän – so der Tenor der Presse – habe sie dieses anspruchsvolle Werk gemeistert.