„Deutsch-Chinesische Märchenstunde“

Siehe auch den Text von 2016: Verzaubert? Märchenerzähler werden DAAD-Vollstipendiaten

Am 6. Dezember 2013 war es endlich soweit: Generalkonsul Dr. Wolfgang Röhr hatte zum Finale des Märchen-Wettbewerbs des Generalkonsulats der Bundesrepublik Deutschland in Shanghai in die Residenz in der Yongfu lu eingeladen. Trotz der schlechten Luftverhältnisse waren zahlreiche Gäste erschienen und ließen sich für einige Stunden von den Präsentationen der Finalisten des Wettbewerbs in eine Welt voller sprechender Tiere, böser Hexen, Königssöhnen und Zauberei entführen.

Das deutsche Generalkonsulat Shanghai hatte anlässlich des Deutsch-Chinesischen Sprachenjahres 2013/14 vergangenen Mai zum Märchen-Wettbewerb „Brüder Grimm in China junge und alte Märchenfreunde dazu eingeladen, ein bekanntes Märchen in deutscher Sprache neu zu erzählen und auf das China des 21. Jahrhunderts zu übertragen. Als Vorlage musste eines der Grimm-Märchen „Aschenputtel“, „Hänsel und Gretel“ oder „Die weiße Schlange“ verwendet werden. Ebenfalls als Ausgangstext zugelassen war die chinesische Legende „Die weiße Schlange“. Eine Jury, bestehend aus Frau Dr. LIANG-LEE Yeajen, Herrn Prof. Dr. GU Shiyuan, Herrn Thomas Willems vom DAAD Shanghai, Herrn Matthias von Gehlen vom Goethe Sprachlernzentrum Shanghai und Frau Konsulin Gudrun Linger, hatte die Qual der Wahl und wählte Anfang November aus allen Einsendungen die neun Finalisten für den Salon Yongfu lu am 6. Dezember aus. Außer Konkurrenz wurde auch der Beitrag der deutschen Autorin Kirsten Eh, eine traurig-schöne chinesische Hänsel und Gretel-Adaptation, vorgestellt.

Das Spektrum der Darbietungen reichte von Lesungen, über Hörbücher und Theaterstücke bis hin zu einem kurzen Film. Aufgelockert wurden die Präsentationen der Finalisten durch märchenhafte Melodien, gespielt von vier jungen Musikern der Deutschen Schule Shanghai Eurocampus mit Klavier, Trompete, Altsaxophon und Percussion. Ebenfalls zur Märchenstimmung beitragen konnte die Austellung „Hänsel und Gretel“ der Kasseler Künstlerin Doris Gutermuth, die die Geschichte von Hänsel und Gretel auf Zebrastreifen-Schildern graphisch nacherzählt. Ein weiterer wichtiger Gast erschien zwar nicht persönlich, hatte aber sein Gepäck für die Gäste des Salons hinterlassen: Am Ende gab es Schokoladen-Nikoläuse für alle, direkt aus dem roten Schlitten des heiligen St. Nikolaus...

Alle Salonbesucher waren begeistert von der Kreativität der Märchenerzähler, auch das sprachliche Niveau aller Teilnehmer war sehr beeindruckend. Das Publikum erlebte einen abwechslungsreichen, bunten Märchenabend und belohnte jede einzelne Vorstellung mit tosendem Applaus. Es fiel allen wirklich schwer, die vorgestellten Märchen mit Punkten zu bewerten und die Preisträger zu ermitteln. Doch schließlich waren alle Stimmzettel des Publikums ausgezählt und Konsulin Gudrun Lingner verkündigte die folgenden Ergebnisse:

  1. Platz:
    Der erste Platz ging an die zwei Studentinnen LI Na und CHEN Shuai der East China Normal University, die ihr Märchen „Xiao Han und Xiao Ge“ für die Präsentation im Salon verfilmt hatten. Sie gewannen eine Reise nach Deutschland mit 7 Übernachtungen, Besichtungungen der Städte Berlin, Potsdam, Dresden und München sowie des Schlosses Neuschwanstein und Linderhof. Gestiftet wurde der Preis von der Deutschen Zentrale für Tourismus. Link zum Film
  2. Platz:
    Knapp dahinter belegte PEI Xindi von der Gan Quan Mittelschule den zweiten Platz mit einer Lesung ihres Märchens „Hänsel und Gretel“, die einige der Zuschauer zu Tränen rührte. Frau PEI gewann ein Stipendium für den Besuch eines Hochschulsommerkurses in Deutschland. Dieser Preis wurde gestiftet vom DAAD.
  3. Platz:
    Die selbsternannten „Knallerfrauen“ WAN Tiantian, Ma Ning, SU Shen und GONG Haotian vom Chien-Shiung Institute of Technology reisten für das Finale aus Taicang an und errangen mit ihrer Theateraufführung „Die weiße Schlange“ den dritten Platz im Wettbewerb. Die „Knallerfrauen“ gewannen jeweils einen Wochenend- oder Freizeitkurs am Goethe-Jinchuang Sprachlernzentrum Shanghai im Umfang von 80 Unterrichtseinheiten für das Jahr 2014, gestiftet vom Goethe–Jinchuang Sprachlernzentrum Shanghai.
  4. Platz:
    Der vierte Platz ging an LI Qinyan und SUN Wei, Studierende an der Fremdsprachenschule Nanjing, für ihr Märchen „Aschenjunge“. Beide durften zwei wunderschöne Knusperhäuschen aus Lebkuchen nach Hause tragen.

Als Dankeschön und Anerkennung der erbrachten Leistungen gab es für alle Teilnehmenden am Märchenwettbewerb noch das Märchenbuch „Der Sohn des Drachen“, in dem der deutsche Maler Thorsten Schirmer chinesische Märchen auf Deutsch erzählt und mit Werken von altchinesischer Fingermalerei illustriert.

Programm:

 

1.  Lesung „Aschenjunge“ von LI Qinyan und SUN Wei
2.  Lesung „Die Schweinefütterin“ von WANG Xiaomei
3.  Lesung „Gottgewollte Liebe“ von ZHU Tianlong, JIANG Yumin und HU Yinjiahui

4.  Musikstück „Blue Cinderella“ – Leo Friedlein (Altsaxophon), Marcel Malatitsch
     (Trompete), Stella Drechsler (Klavier), Florian Fei (Percussion)

5.  Lesung „Hänsel und Gretel“ von PEI Xindi
6.  Film „Xiao Han und Xiao Ge“ von LI Na und CHEN Shuai
7.  Lesung „Dawa und Erwa“ von WANG Mingwei, WEI Ying und SHI Qianwen

8.  Musikstück „Hänsel und Gretel im Jazzgewande“ – Altsaxophon, Trompete, Klavier,
    Percussion

9.  Lesung „Die weiße Schlange“ von GU Xueying
10. Hörspiel „Reicher Junge, armes Mädchen“ von GAO Ke, JI Minmin, YANG Chen,   
   
  RUAN Wenqian und ZHANG Lin
11. Theaterszenen „Die weiße Schlange“ von
WAN Tiantian, MA Ning, SU Shen und GONG
      Haotian

12. Film und Lesung des Märchens „John & Maisie“ von Kirsten Eh

13. Ausstellung „Hänsel & Gretel“ von Doris Gutermuth

Salon Yongfu lu

(© Deutsches Generalkonsulat Shanghai)

Der „Salon Yongfu lu“ ist ein Ort der Begegnung zwischen deutscher und chinesischer Kultur. Zum jeweils gewählten Thema werden Elemente aus beiden Kulturen vorgestellt, ineinander verwoben und miteinander in Beziehung gesetzt. Es geht dabei um Dialog, sowohl zwischen den Kulturen als auch zwischen Künstlern und Publikum. Und natürlich sollen die Salons unseren Gästen auch Freude machen!

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