Teilnahme sechs deutscher Künstler an Photo Beijing 2015

Im Oktober bildeten die Künstler Andreas Gefeller, Corina Gertz, Prof. Kris Scholz, Michael Schnabel, Michael Reisch und Samuel Henne den deutschen Beitrag auf der Photo Beijing, den Prof. Kris Scholz kuratiert. Unterstützt wurden sie dabei von deutscher Seite von der Bezirksregierung Düsseldorf, der van Meeteren Stiftung sowie der Firma Hahnemühle.

So unterschiedlich die für die Photo Beijing Ausstellung ausgewählten 6 fotografischen Positionen auch sind, so eint alle doch eine forschende Grundhaltung in der Annäherung an das jeweilige Thema. Nicht die klassische Dokumentation, sondern der Entwurf einer These steht am Anfang der ausgewählten Projekte. Die für dieses Projekt ausgewählten Positionen misstrauen grundsätzlich dem Realitätsgehalt von Fotografie. Sie benutzen fotografische Methoden, um ihre Fragestellungen zu entwickeln und ihre Konstruktionen oder Rekonstruktionen zu visualisieren.

Die Serie something specific about everything von Samuel Henne bildet zwar Objekte ab, aber es sind konstruktive Gebilde ohne erkennbare Funktion oder Bedeutung. In den  skulpturalen Arrangements lotet Henne Aspekte von Fläche und Räumlichkeit, Farbkomposition und Bildkonstruktion aus.

Auch in Schwalm Valley von Corina Gertz steht nicht die Dokumentation der pittoresken  Trachten im Vordergrund, sondern ihre Untersuchung von Kleidung und Mode als nonverbaler Kommunikation. In früheren Projekten hatte sie schon Kleidungsriten in Indien, Namibia und Brasilien thematisiert.

Die Werkreihe Blank oszilliert zwischen Dokumentation und Konstruktion. Andreas Gefeller belichtet seine Nachtaufnahmen von städtischen und industriellen Orten exzessiv über. Dadurch werden die beleuchteten Stellen ausgelöscht und nur das im Finsteren Verborgene wird schemenhaft sichtbar und gibt Hinweise auf die ausgelöschte Wirklichkeit.

Michael Schnabel belichtet seine Werkreihen Stille Berge, Nightscapes und Waterscapes ebenfalls nachts. Im Unterschied zu Andreas Gefeller sind seine Orte ohne künstliches Licht und verbleiben trotz langer Belichtungszeiten im Dunkel. Nicht, was wir sehen, sondern was wir erahnen, definiert hier unser Bild der Realität.

Der zentrale Punkt in Michael Reisch’s Arbeiten ist die Demontage genuin fotografischer Eigenschaften durch digitale Bildprogramme. Die Werkserien 8/ und 14/ befassen sich mit dem Sujet der Auflösung des Fotografischen, allerdings abstrakt/abstrakt-gegenständlich. Es handelt sich um computergenerierte Bilder, reale Vorlagen existieren nicht. Reisch benutzt die Fotografie, um Gegenständlichkeit vorzutäuschen, ohne konkret zu werden. Obwohl den Arbeiten keine Aufnahme mehr zu Grunde liegt, werden sie zweifellos als Fotografien wahrgenommen.

Kris Scholz’ fotografischen Serien beziehen sich explizit auf Malerei. In Marks and Traces verweist er speziell auf abstrakte Malerei. Den anonymen Kompositionen liegen aber gar keine gestalterischen Entscheidungen zu Grunde. Es sind Aufnahmen von Böden oder Arbeitsflächen in Ateliers, Museen und Akademien oder politisch bedeutsamen Orten. Die Serie verweigert sich der Zuordnung. Zugleich hinterfragt sie abstrakte Malerei und ihre Beziehung zur Realität.