Außenminister Gabriel zum Tod Liu Xiaobos:

13. Juli 2017

Mit Bestürzung habe ich heute vom Tod des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo erfahren.

Wir trauern um einen außergewöhnlichen Menschen, der sich stets friedlich für Demokratie, Menschen- und Bürgerrechte eingesetzt hat. Kristallisiert hat sich sein furchtloses Denken in der „Charta 08“, die er maßgeblich verfasste. Sie begründete nicht nur die Verleihung des Friedensnobelpreises im Jahr 2010, sondern führte im Folgejahr auch zu seiner Verurteilung zu einer langjährigen Haftstrafe.

Liu Xiaobo und seine Frau hatten den sehnlichen Wunsch, nach Deutschland auszureisen. Ich bedauere zutiefst, dass diesem Wunsch nicht stattgegeben wurde. Ich sehe China jetzt in der Pflicht, der Frage, ob die schwere Krebserkrankung nicht viel früher hätte entdeckt werden können und müssen, auf eine glaubhafte und transparente Weise rasch nachzugehen.

Liu Xiaobo hinterlässt seine Ehefrau Liu Xia, die während der ganzen Zeit seiner Haft und seiner Krankheit hinter ihm stand. Wir wünschen ihr viel Kraft in dieser schweren Zeit und fordern die chinesische Regierung mit Nachdruck dazu auf, die Einschränkungen ihrer Bewegungs- und Kommunikationsfreiheit umgehend aufzuheben. Sie und ihr Bruder Liu Hui sollten umgehend nach Deutschland oder ein anderes Land ihrer Wahl ausreisen dürfen, wenn sie dies wünschen.